Österreich Institut Österreich Institut Österreich Institut
Österreich Institut
KontaktZgłoszenie onlineTest kwalifikacyjnyZapisyCeny i warunki płatności
---
Österreich Institut
|
.
<
<
.
EuropaSiegel
 
 

Projekty

1989-2009-2029: Co było? Co jest? Co będzie?

20 lat temu... nastapił upadek muru berlińskiego i rozpad rzadów komunistycznych. Od tego czasu wiele zmieniło sie zarówno w Austrii, jak i innych krajach europejskich. Instytuty Austriackie chcąc pokazać owe przemiany opracowały wspólnie projekt historyczny, którego wyniki prezentujemy poniżej.

 

Nasi słuchacze z Instytutów we Wrocławiu, w Warszawie, w Krakowie, w Bratysławie, w Budapeszcie, w Lublinie, w Belgradzie, w Brnie, w Istambule i Rzymie w ramach kursów jezyka niemieckiego zajmowali się w semestrze letnim 2009 tą niezwykle ważną tematyką, szukając odpowiedzi na następujące pytania:

  • Jak odbierane są wydarzenia historyczne w latach 80-tych oraz następujące po nich przemiany?
  • Jakie różnice i podobieństwa można zauważyć pomiędzy „wschodem” a „zachodem”?
  • Jaki światopogląd mieliśmy w roku 1989, jaki mamy dzisiaj i jaki będziemy mieć w roku 2029?
     

Zobaczmy, jakie odpowiedzi znaleźli...

  • Ernestine Baig

Kulturattache

 

Das Leben vor 1989 hatte politisch gesehen für mich, als Österreicherin, keine besonderen Reize. Ich kann mich noch sehr gut an die Angst erinnern, als 1968 die Sowjetarmee in Tschechien einmarschiert ist, und es war nicht ausgeschlossen, dass sie auch in Österreich hätte einmarschieren können. Das hat ein wenig Zeit gebraucht, bis sich die Österreicherinnen und Österreicher von dieser Angst befreit haben.

Österreich war damals die Grenze zwischen dem Eisernen Vorhang und dem Rest Europas, weil die Nachbarstaaten Österreichs wie Ungarn, die Tschechoslowakei, Jugoslawien lagen hinter dem Vorhang. Da ich damals in der Kulturpolitischen Sektion im Außenministerium in Wien tätig war, hatte ich schon Kontakte zu den Ländern des Ostblocks oder zumindest zu den österreichischen Vertretungen von diesen Ländern. Mir war klar, dass das Länder waren, wo es wenig politische Freiheit gibt, wo Menschen unterdrückt werden und wo eine gewisse Armut herrscht. Aus Polen war zum Beispiel die Knappheit der Lebensmittel sehr bekannt und das Bild von Polen in Österreich war schon so, dass man dort Schlange stehen muss, um überhaupt Lebensmittel kaufen zu können und die waren dann auch nicht von hoher Qualität. Der Eindruck war, dass es den Menschen dort wirklich nicht gut geht, aber das sage ich aus westlicher Sicht, aus der Sicht einer Österreicherin, wobei man sagen muss, dass gerade in Österreich damals ein wirklich hohes Niveau am Lebensstandard und ein relativer Wohlstand geherrscht haben.

  • 1989

Auf den Mauerfall habe ich auch zuerst mit Unglauben reagiert. Ich bin 1955 auf die Welt gekommen und das heißt, dass Europa damals schon in Ost und West geteilt war. Für mich gab es seit immer diese zwei politischen Systeme. Zu Beginn der achtziger Jahre habe ich das Buch eines sowjetischen Dissidenten gelesen, in dem stand, dass der Eiserne Vorhang einmal fällt, dass die Nomenklatura sich nicht halten kann. Doch da gerade damals, das war 1981, in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, habe ich das nicht geglaubt. Dann aber zu Beginn des Jahres 1989 hatte in Österreich schon jede Nachrichtensendung mindestens eine Meldung über die eventuellen bevorstehenden Veränderungen in Europa, und das war für mich total spannend. Aber solange die symbolische Grenzdurchschneidung in Burgenland im Juni 1989 nicht erfolgt ist, waren wir eigentlich skeptisch, ob der Eiserne Vorhang fallen wird. Bis zum letzten Moment.

  • 2009

Nachdem es erfolgt ist, war das Drohbild, das Feindbild des Kommunismus, mit dem wir so lange gelebt haben, weg. Und dieses Bewusstsein war für uns alle sehr wichtig. Wir hatten auch schon damals die Hoffnung, dass es ein gemeinsames Europa geben wird, und weil wir selber noch nicht in der Europäischen Union waren, war das die Hoffnung auf eine gemeinsame Mitgliedschaft, was sich dann langsam auch entwickelt hat.

Als unmittelbares Nachbarland, hat sich Österreich nach 1989 sehr gefordert gefühlt, in den Ländern des Ostblocks dazu beizutragen den Demokratisierungsprozess zu beschleunigen. Von meiner Arbeit habe ich das auch sehr nahe und durch ganz konkrete Maßnahmen erlebt, weil damals zahlreiche Projekte auf kulturell – wissenschaftlichem Gebiet ins Leben gerufen waren. Ich war zum Beispiel beteiligt daran, dass sehr viele Lektoren für die deutsche Sprache nach Ungarn, Tschechien, Polen geschickt wurden.

Da konnte ich auch die imposanten Veränderungen beim Grenzübertritt sehen. Das erste Mal nach dem Mauerfall war ich in Ungarn im November 1989. Ich war wirklich begeistert, wie schnell und problemlos das ging. Das war für mich etwas ganz Neues, weil ich es noch in Erinnerung hatte, dass ich für meine Dienstreise nach Bratislava 1986 sieben Formulare habe ausfüllen müssen und es hat mich drei Stunden Zeit gekostet über die Grenze zu fahren.

  • 2029

Heute können Polen nach Westeuropa frei reisen und überall studieren, auch die jungen Leute aus Westeuropa können hier in Polen studieren. Es herrscht eine große Bewegungsfreiheit und das trägt dazu bei, dass die Unterschiede im Lebensstandard, die es heute noch zwischen den Ländern des ehemaligen Ostblocks und des Westens gibt, immer kleiner werden. Ich sehe das alles sehr positiv und hoffe auch, dass die derzeitige Krise in der nächsten Zukunft möglichst rasch durch die Europäische Union überwunden wird, dass alle ihre Länder einigermaßen stabil aus der Krise hervorgehen, weil die ökonomische Destabilisierung immer zu der Bildung von radikalen Kräften in der Politik führt.

  • Ingeborg Strobl

Künstlerin

 

Kontakte zu den Ländern des  Ostblocks hatte ich vor 1989  nicht wirklich. Meine Großmutter kommt zwar aus Ungarn, aber dort hatten wir keine Verwandten.

Mein Onkel hat aber in Burgenland gelebt - das ist eine Provinz in Österreich, die an der Grenze zu Ungarn liegt. Und Diese Grenze war damals ein Minengürtel. Für mich war es eine Realität auf der Westseite hinter dem Zaun zu leben und die Wachtürme auf der ungarischen Seite zu sehen. In diesen Zaun sind oft Hunde gelaufen und gestorben oder durch die Minen umgekommen. Das sind meine Erfahrungen, Erinnerungen von damals.

Diese Zeit in Burgenland war aber meine Jugend und wenn man jung ist, denkt man nicht politisch, also ich habe da nicht an den Eisernen Vorhang gedacht, ob er fallen wird oder nicht.

  • 1989

Mit dem Mauerfall 1989 verbinde ich einerseits Freude und anderseits Angst. Ich habe mir gedacht, dass es für die Leute, die im kommunistischen System gelebt haben, ein absoluter Schock sein muss, sich an das westliche Denken und Handeln zu gewöhnen.

Ich bin eine Linke, ich denke sozialistisch. Der Kommunismus ist politisch und wirtschaftlich gescheitert, aber die ursprüngliche Idee von Kommunismus finde ich an sich nicht schlecht.

  • 2009

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann ich leichter in den Osten reisen. Für mein Alltagsleben als Künstlerin hat das bedeutet, dass ich begonnen habe neue Kontakte zu knüpfen. Ich bin hier nach Warschau, also in dieses Kulturforum gekommen.

Ich bin sehr oft in Polen und auch in Georgien, weil es nun  ohne Visum möglich ist, dahin zu reisen. Früher war man dort  als „Westmensch“ ein Feind  und das hat man schon gespürt. Jetzt wird einem freundlicher  begegnet.

In der Kunst der Künstler aus den osteuropäischen Ländern sehe  ich große ästhetische und thematische Veränderungen. Vom Westen beeinflusst setzen sie sich politisch mit ihrer eigenen Situation auseinander, was sie vorher nicht offiziell tun konnten.

  • 2029

Für die Leute hier ist die Maueröffnung negativ und positiv zugleich. Zum Beispiel ist die soziale Absicherung weg. Vorher hatte jeder eine Arbeit, eine Wohnung und eine Heizung in der Wohnung. Jetzt herrscht große Armut, die es früher hier nicht gegeben hat. Reichtum hat es vielleicht schon vor der Wende gegeben, aber er war nicht sichtbar.

Die Krise, die wir jetzt haben ist ein schreckliches Zeichen für das böse Gesicht des Kapitalismus. Jetzt sehen wir, dass jedes System, ob es kommunistisch oder kapitalistisch ist, letztendlich an der Gier der Menschen scheitert und an der Tatsache ,dass der Mensch nicht reif ist und nur an seine eigenen Vorteile denkt.

Für die Zukunft wünsche ich mir mehr sozialistischen Gedanken und dass es eine relative Gerechtigkeit in der Verteilung der Güter gibt.

  • Martina Gereis

Kulturattache in Warschau


Als ich ein Kind war, war ich öfters auf Urlaub in Ungarn, da hatte ich Kontakt zu Kindern vor allem aus Ostdeutschland. Ungarn war das einzige Land, wo diese Kinder auf Urlaub fahren durften. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Ferienaufenthalte, das war aber für mich der einzige Kontakt zum Osten.

Ich habe bedauert, dass es für die Menschen, die dort leben, so schwierig ist in andere Länder zu reisen. Ich habe mir das sehr „eingeschlossen“ vorgestellt, so wenig Bewegungsfreiheit zu haben. Ich wusste auch, dass das Leben in den Ländern des Ostblocks wesentlich schwieriger als bei uns und die politische Situation nicht so einfach ist.

  • 1989

Als der  Eiserne Vorhang gefallen ist, habe ich mich gefreut, dass das ein Ende hat.

  • 2009

Für mich änderte sich durch den Fall des Eisernen Vorhangs eigentlich nichts. Mein Leben ist ziemlich ähnlich wie davor.

Aber eine wichtige Veränderung gibt es doch: die Grenzen wurden geöffnet und dadurch sind das Reisen und der Kontakt zu den Nachbarstaaten Österreichs möglich. Jetzt ist das Zusammenleben in Europa viel einfacher. Es gibt mehr Austausch mit den anderen Ländern.

Während aber in Österreich das Jahr 1989 nicht so entscheidend war, war diese Wende sehr wichtig für Polen, wo ich jetzt lebe. Da sehe ich einen großen Unterschied.

Ich spüre auch, dass die Leute, die hier aufgewachsen sind und in dieser sehr schwierigen Situation gelebt haben, besser mit Überfluss umgehen, dass sie viele Sachen weiter behalten und nicht unbedingt wegwerfen. In der Gegend, wo ich herkomme dagegen ist das schon eine große Wegwerfgesellschaft und hier ist das noch anders. Es gibt eine andere Lebensstruktur als nur kaufen, kaufen, kaufen…

  • 2029

Meine Hoffnungen für die Zukunft sind dass es Frieden auf der Welt gibt und dass die Menschen alle in Frieden leben können. Das wünsche ich mir für alle Lebenden.

  • Markus Eberharter

Lektor der Österreich Kooperation an der Universität Warschau

 

Für mich waren die 80er Jahre einfach die Zeit der Schule, der Kindheit und der Reize, die jeder Jugendliche hat, also Sport, Kino, Musik, Disko.

  • 1989

Der Fall des Eisernen Vorhangs war für mich eine Überraschung. Ich kann mich an diese Ereignisse November 1989 nicht genau erinnern, weil ich sie nicht verfolgt habe. In meinem Alltagsleben hat sich danach gar nichts verändert. Ich war damals in der fünften- sechsten Klasse, d.h. zwei Jahre vor der Matura und ich habe das nicht sehr zur Kenntnis genommen.

Ich weiß noch, dass 1989 auch der 200 Jahrestag der Französischen Revolution war. Wir hatten Französischunterricht in der Schule und deshalb hat es ein Projekt gegeben, mit dem Kinder nach Paris gefahren sind. Es war eine Woche gratis und das hat mich viel mehr bewegt als der Mauerfall und die anderen Ereignisse damals.

  • 2009

Warschau untrescheidet sich kaum noch von Wien oder Berlin oder Paris, obwohl  in manchen  Gegenden in Polen die Unterschiede zum Westen sehr groß sind. Ein

Problem ist hier vielleicht, dass nicht alle gleich viel Geld haben. Es gibt sehr viele Leute in Polen und in Osteuropa, die sehr arm sind. In Polen sind es z.B. Lehrer oder Ärzte, die viel zu wenig Geld bekommen für das, was sie machen.

Andere Probleme gibt es mit Demokratie, Transformation und Politik, d.h. das System konsolidiert erst langsam. Da gibt es noch viele Fälle von Machtmissbrauch. Im Westen gibt es natürlich auch solche Probleme aber ich denke, dass die Kontrollmechanismen in Osteuropa erst langsam gebildet werden und das wird vielleicht noch ein paar Jahre dauern bis das alles ganz gut funktioniert.

  • 2029

Im Lichte der Ereignisse von 1989 finde ich die Gegenwart so interessant und spannend, dass ich mir die Zukunft gar nicht vorstellen kann. Jeder Tag ist so voll und man hat so viel Arbeit und so viele Sachen zu tun, dass man gar nicht daran denkt, was in 50 oder 60 Jahren kommt.

Alles, was ich von Polen vor 1989 kannte, war Zbigniew Boniek von der Weltmeisterschaft 1982 und Walesa. Ich habe nichts mehr gewusst, weil ich damals noch zu jung war, um die politische Lage richtig zu begreifen.  Mit den Ländern des Ostblock habe ich damals  überhaupt keine Kontakte gehabt.

  • Zbigniew Kalicki

Geschichtelehrer in Warschau

 

Heute kommt es vor, dass die kommunistische Zeit verherrlicht wird. Wir, Menschen, neigen alle dazu, uns die Vergangenheit schöner auszumalen, als sie wirklich war.

Die Realität vor 1989 war sicherlich weniger komplex und damit durchschaubarer als heute. Es war einfacher über die Welt, die anderen Menschen und sich selbst zu urteilen. Ich war jünger, und ein junger Mensch hat eine gewisse Tendenz, sich eine eigene Meinung zu schnell und zu selbstsicher zu bilden. Damals gab es halt sehr viele klare Situationen und die Wahl fiel einem nicht so schwer.

In den Jahren 1971-1981 (bis zum 13. Dezember) war das System in Polen auch weniger repressiv  als in den anderen Ländern der Volksdemokratie (mit Ausnahme von Ungarn wahrscheinlich). Doch nach dem Jahr 1976 gab es immer mehr Unzufriedene.

Die Kultur war nicht allgemein zugänglich, aber sie hat sich doch entwickelt (insbesondere die Musik. Ich kann mich an einige Titel und Namen vor und nach 1980 erinnern: Die unvergesslichen Hits von „Republika“ wie „Biala flaga“ („Die weiße Flagge“), „Moja krew“ („Mein Blut“) und „Tak, to ja!“(„Ja, das bin ich!“),. Ich würde sie den Jugendlichen von heute gern mal vorspielen, denn meiner Meinung nach sind sie heute noch aktuell und hören sich gut an, z.B.: Mówia ci, ze …“(„Sie sagen dir, dass…“), „Arachid“ (der Schlager des Radiosenders „Trójka“ 1988) von Tomasz Lipinski und vor allem „Polska“ („Polen“) der Band „Kult“ sind echt unsterblich. Viele wissen nicht, dass die damalige Zensur den ursprünglichen Namen der Band (“Kult jednostki“ – „Der Kult der Einheit“) nicht zugelassen hat. Daher musste der Name gekürzt werden.

Ich erinnere mich auch an „Manaam“. Diese Band hat über die Wirklichkeit des Kriegszustands in ihrem stimmungsvollen Lied „Nocny patrol“ („Die Nachtstreife“)  gesungen. Weiter, die Band. „Lombard“ („Znowu radio“ – „Das Radio schon wieder”, „ Droga pani z telewizji“ – „Liebe Frau vom Fernsehen“, „Przezyj to sam“ – „Erleb das“) hat sehr eindeutig über die Medien gespottet.

Die Geschichte mit „Nieme kino“ („Stummfilm“) von „Perfect“ ist auch sehr interessant. Im Frühling 1983 haben wir diesen fürchterlich deprimierenden Text gehört, während er angeblich zwei Jahre VOR dem Kriegszustand entstanden ist. Man muss schon sagen, dass in den Texten von vielen damaligen Künstlern regierungsfeindliche Anspielungen zu hören sind

  • 1989

Der Fall des Eisernen Vorhangs war ein großer Durchbruch. Die wenigsten haben es geahnt, denn die Anzeichen waren nur schwer erkennbar. In Polen wussten wir bis Herbst 1989 gar nichts über die großen Proteste in der DDR.  Viele der ostdeutschen Bürger sind in den Westen geflohen, und als die Sowjetunion nach den Wahlen am 4. Juni nicht reagiert hat – weder mit Aggression noch Repressionen, konnten selbstverständlich gewisse Hoffnungen gedeihen.

Auf den Mauerfall habe ich mit sehr positiven Gefühlen reagiert. Alle waren damals zufrieden und hoffnungsvoll. Das war auch berechtigt, zumal das kommunistische System in Ungarn und der Tschechoslowakei auch schon am Zerfallen waren. Doch ich selber war damals keinesfalls nur euphorisch oder unkritisch. Das ist keine Selbstgefälligkeit, wenn ich das jetzt sage, aber ich hatte schon in jener Zeit ziemlich viel Wissen über die Mechanismen und Stadien verschiedener Revolutionen. Auf mein Leben hatte dieses historische Ereignis auch keinen sofortigen, direkten Einfluss.

  • 2009

Heute sind noch manche Unterschiede zwischen den Ländern des ehemaligen Ostblocks und den westeuropäischen Ländern sichtbar. Zum Bespiel bleiben in den postkommunistischen Ländern größere und kleinere Ausschweifungen von sogenannten VIPs immer noch sehr oft unbestraft, aber das wäre ein Thema für einen anderen Artikel.

  • 2029

Über die Zukunft ist schwer zu sprechen, aber man darf ein wenig phantasieren. Die EU ist für Europa sehr wichtig.  Wenn sie an politischer Kraft verliert oder sogar in sich zerfällt, wird dies sehr große Folgen haben. An der Macht kommt vielleicht China, oder Russland, vielleicht auch G-20 oder G-25.

  • Joanna Kędracka

Deutschlehrerin in Warschau

 

Alles war vor 1989 anders, wir mussten mit vielen Beschränkungen leben, aber wir wussten nicht, wie groß sie waren. Erst jetzt sehen wir, wie miserabel, armselig und grau das Leben in den achtziger Jahren war, durch den ständigen Kampf um einen neuen Kühlschrank, um Toilettenpapier, um Zitrusfrüchte und alles Mögliche. Aber wir mussten in dieser Realität leben und wir haben uns arrangiert.

Die Freizeit hat man sich auf eigene Faust organisiert, man ist ziemlich viel z.B. in die schönen Warschauer Parks spazieren gegangen. Wenn Leute einen kleinen Garten oder Schrebergarten hatten, hatten sie auch dort viel Zeit verbracht. Selbstverständlich gab es auch Kinos, meistens gab es dort aber nur selten etwas Interessantes. Ein Mal im Jahr gab es das Festival „Konfrontacje“ (Konfrontationen) und ich und meine Bekannten sind zu diesem Festival gegangen und dort konnten wir alle Filme aus der ganzen Welt sehen, die wir besonders interessant fanden.

Wir hatten damals in Polen auch sehr gute Musiker und sehr gute Bands. Jetzt, wo ich diese alten Musikstücke z.B. von Niemen, Czerwone Gitary, Niebiesko-Czarni oder Skaldowie hoere, da muss ich feststellen, dass sie mir immer noch sehr gut gefallen. Geschweige denn von den grossen damaligen Stars, wie die Rolling Stones, die Beatles, Janis Joplin und Jimmy Hendrix.

Natürlich hatten wir vor allem Kontakte mit den Ländern des Ostblocks. Das Leben dieser Länder war ziemlich gleich. Wir waren in dem selben Topf und wir hatten praktisch die selben Probleme. Es gab Länder, wo es ein bisschen mehr Konsumgüter gab und die empfand man als reicher. Es gab auch ärmere Länder, wo man wusste, dass es wirklich große Probleme gibt und wo die Menschen sich mit wirklich wenig zufrieden geben mussten.

 

Ehrlich gesagt, habe ich es nicht für wahrscheinlich gehalten, dass der eiserne Vorhang fallen wird. Wir waren so indoktriniert, dass wir uns das praktisch nicht vorstellen konnten. Während der großen Demonstrationen in Leipzig und in anderen deutschen Städten war ich gerade in Halle und ich habe in einem Restaurant zu Abend gegessen. Selbstverständlich waren das Thema die Demonstrationen, aber als ich gefragt habe, ob sich die DDR jetzt mit Westdeutschland wieder vereinigen wird, waren meine Bekannten erstaunt.

  • 1989

Der Fall des Eisernen Vorhangs hatte einen sehr großen Einfluss auf mein Leben und vermutlich auf das Leben aller Leute aus dem ehemaligen Ostblock. Von nun an hatten wir unbegrenzt Zugang zu den ausländischen Zeitungen. Da konnte ich in einen EMPIK gehen und mir „Time”, „Zeit”, „Newsweek” oder „Stern” im Original kaufen und nämlich die neueste Ausgabe, die früher alle zensiert waren. Wir haben nur selten diese Zeitschriften in die Hand bekommen. Und oft waren das uralte in irgend einem Laden mit alten Büchern gekaufte Hefte. Als wir diese Zeitschriften ganz neu kaufen konnten, war das für mich eine große Freude.

Die zweite große Sache für mich war das, dass ich meinen Pass in meiner Schublade hatte und ich konnte immer dann in die weite Welt fahren, wenn ich Lust dazu hatte.

Für mich und für meine Freunde war die politische Situation wichtig. Wir waren die Generation, die an der Studentenrevolte mehr oder weniger teilnahm, auch wenn wir die Hintergründe oft nicht kannten. Der März 1968 war für uns ein großes Ereignis und meine Kollegen und Kolleginnen waren später an den Strukturen der „Solidarnosc“ beteiligt. Ich war zu dieser Zeit zweieinhalb Jahre in Frankfurt am Mein. Deshalb ist die ganze Bewegung irgendwie an mir vorbeigegangen, obwohl ich jeden Abend alle Nachrichten hörte und gespannt war, was passiert. Das war das politische Leben für uns, trotzdem gab es auch Leute, die der ZMS (Bund Sozialistischer Jugend) angehörten und Parteimitglieder wurden.

Im Jahre 1989 hat man noch nicht an die Zukunft gedacht, aber ich muss sagen, dass die Folgen des Mauerfalls, der von uns vor zwanzig Jahren in Gang gesetzten Veränderungen, alle meine Träume überstiegen haben. Damals haben wir uns nicht so viele Gedanken gemacht, welche Folgen das für die einfachen Menschen haben wird. Aber den Beitritt zu der EU und die Folgen davon finde ich sehr positiv, weil meine Kinder im Ausland studieren können, das machen sie auch und ich kann mich frei als normaler Bürger, nicht als armer Tourist, aus dem Osten in europäischen Städten bewegen. Das ist eine ganz neue Lebensqualität für mich.

  • 2009

Die Länder des Ostblocks sind noch weiterhin ärmer und man sieht die Anstrengungen den hohen Standard, die Lebensqualität des Westens zu erreichen und die Unterschiede geringer zu machen. Aber andererseits, vor allem in der ehemaligen DDR und auch ein bisschen in Polen gibt es eine Art Nostalgie, in der DDR Ostalgie genannt. Also eine Nostalgie nach dem, was viele Bürger meinen, verloren zu haben und nach einer gewissen sozialen Sicherheit, die viele jetzt nicht haben.

  • 2029

Die politische Situation kann sich selbstverständlich immer verändern. Es gibt immer die nationale Interessen, der einzelnen europäischen Länder und auch der einzelnen EU Mitglieder, aber es gibt nicht nur Europa, es gibt auch andere Länder: China, Vereinigte Staaten, Indien, die man nicht vergessen soll, die ganze arabische Welt. Alle diese Länder haben ihre eigenen Interessen und vielleicht diese Interessen werden auch auf unser Leben einen Einfluss haben. Das werden wir noch in der Zukunft sehen können. Aber ich stelle mir sie sehr schön vor. Ich denke, es wird weiter so gehen, wie es geht und das gefällt mir. Ich hoffe, wenn ich ein Mal in Pension gehe, dass ich mit meinem Pass in der ganzen Welt reisen kann.

  • Magda Urbańska

Kursteilnehmerin am ÖI Warschau

 

Ich bin 1991 geboren und die Tatsache, dass Polen früher ein kommunistisches Land war ist für mich selbstverständlich. In Polen haben wir viele Relikte aus der kommunistischen Vergangenheit, vor allem fällt mir in Warschau der Kulturpalast und die MDM-Siedlung auf. Da gibt es ein Flachrelief, das die kommunistischen Arbeiter zeigt. Ich habe mir früher keine Gedanken gemacht, was für mich das Leben in einem postkommunistischen Land bedeutet. Vermutlich bin ich noch zu jung, um die Unterschiede in der Lebensqualität zwischen dem Westen und dem Osten wichtig zu finden.

 

Vor diesem Projekt habe ich mich nicht für die politische Lage vor 1989 interessiert. Meine Informationsquellen über diese Zeit waren vor allem meine Eltern und meine Großeltern. Sie haben mir viel über den Alltags im damaligen Polen erzählt. Damals war das Leben sehr schwierig, obwohl die Leute fröhlich und erfinderisch waren. Die Regalen in Geschäften waren leer, trotzdem haben Leute in langen Schlangen gestanden, um etwas zu kaufen. Manchmal war das Tee im grauen Beutel, Eier oder Käse. Eine Person konnte nur eine bestimmte Menge Essen kaufen, z.B. 20 Dekagramm Käse oder 10 Stück Eier. Fleisch, Mehl, Zucker, Alkohol, Zigaretten, Butter auch Schuhe usw. konnte man nur mit speziellen Lebensmittelkarten kaufen.

Meine Eltern sind vor 1989 geboren, sie sind damals in die Schule gegangen und haben studiert, also diese Gegebenheiten waren für sie ein ganz normales Leben. Erst der Besuch des polnischen Papstes in Polen, die Studentenstreiks 1981 und 1982 und der Kriegszustand mit Konspiration haben gezeigt, dass man etwas ändern kann. Meine Familie war immer gegen die kommunistische Partei, sie haben die Opposition unterstützt. Täglich abends haben sie die Nachrichten in „Wolna Europa“ („das freie Europa“) gehört.

Am meisten habe ich mit meiner Familie über den Kommunismus in Polen gesprochen, deshalb habe ich weniger über das Ausland vor 1989 gewusst. Aber im Laufe des Projekt habe ich mehr über Deutschland und Oesterreich aus dieser Zeit erfahren. Ich habe mit Oesterreichern Interviews geführt und ich konnte sie nach Geschichte, Politik und dem Alltagsleben fragen. Alle diese Informationen sind für mich sehr wichtig, weil ich jetzt z.B. die Unterschiede zwischen den westlichen Ländern und den Ländern des Ostblocks verstehen kann. 20 Jahre nach der Kommunismus sind die westlichen Länder immer noch besser entwickelt und man hat dort einen besseren Lebensstandart.

Der 4. Juni ist für die Polen sehr wichtig, weil dieser Jahrestag an die erste demokratische Parlamentswahl in Polen erinnert. Es soll auch ein symbolisches Datum für das ganze demokratische Europa sein, weil die Veränderungen um 1989 seinen Anfang in Polen haben, weil hier zuerst der Kommunismus gefallen ist.

  • Żaneta Dela

Kursteilnehmerin am ÖI Warschau

 

Ich bin im Jahr 1992 geboren. Die Tatsache, dass ich in einem postkommunistischen Land geboren bin, war für mich immer etwas eher Abstraktes. Ich kenne die kommunistische Vergangenheit Polens nur aus den Büchern, aus den Filmen und aus den Erzählungen meiner Eltern. Als erstes fallen mir dabei die Kärtchen für das Essen und die langen Schlangen vor den Geschäften ein.


Die Erinnerungen meiner Eltern an diese Zeit sind ganz positiv, weil sie im Jahre 1988 geheiratet haben. Damals haben sie zusammen in einer PKW-Fabrik gearbeitet und sie dachten nicht so viel an die Politik, weil sie verliebt waren. Aber sie waren positiv überrascht, dass Lech Walesa und die anderen Streikenden gegen die kommunistische Gesellschaftsordnung angetreten sind.

Meine Eltern sagen auch, dass obwohl Menschen damals in einer schwierigen Situation lebten, sie viel offener als heute waren. Damals mussten sie einander helfen. Jetzt sind sie mehr egoistisch und verschlossen.


Am 4. Juni ist jetzt der Jahrestag der ersten demokratischen Parlamentswahl in Polen. Das finde ich sehr wichtig für die Weltgeschichte. In Polen hat der Fall des Kommunismus angefangen, noch vor dem Fall der Sowjetunion. Die Verhandlungen an dem Runden Tisch waren der Anfang der neuen Realität in Europa. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Leben aussehen könnte, wenn der Eiserne Vorhang nicht gefallen wäre. Das könnte etwas unglaublich Böses sein.

  • Marta Nowakowska

Kursteilnehmerin am ÖI Warschau

 

Ich bin 1991 geboren, deshalb erinnere ich mich an die Zeit des Kommunismus nicht. Dieses Thema ist für mich aber schon seit der Kindheit aktuell. Meine Oma und meine Mutter sprechen oft davon. Diese Erzählungen sind für mich die wichtigste Informationsquelle.

Meine Mutter erzählt oft, dass sie Schlange stehen musste um Lebensmittel zu kaufen. In Geschäften gab es nur Essig. Sie hatte auch viele Probleme um Fleisch für meinen kleinen Bruder zu kaufen, der Würstchen und Schinken mochte. Als meine Mutter jung war, konnte sie auch nicht ausländische Filme im Kino sehen.

Im Laufe des Projekts habe ich erfahren, dass nicht in allen Ländern des Ostblocks der Fall des Eisernen Vorhangs mit Optimismus angenommen wurde z.B. in Russland war das für viele Leute eine Katastrophe, weil sie die Ersparnisse ihres Lebens verloren haben. Das hat eine der Projektteilnehmerinnen erzählt. Ich finde den Jahrestag des ersten demokratischen Parlamentswahl sehr wichtig, weil es ein Wendepunkt war, unser eigener Weg in die Freiheit. Es gibt noch viele Unterschiede zwischen den Ländern des ehemaligen Ostblocks und den westlichen Ländern. Osteuropa verändert sich . Wir fangen z.B. erst jetzt an, uns um die Umwelt zu kümmern. Wenn der Eiserne Vorhang nicht gefallen wäre, würde mein Leben ganz anders aussehen. Ich würde keinen Zugang zu ausländischen Produkten, Filmen oder Musik haben und ich könnte natürlich auch nicht um die ganze Welt reisen und im Ausland studieren, was ich in der Zukunft machen will.

  • Janusz Madurski

Kursteilnehmer am ÖI Warschau

 

Ich bin in Jahre 1991 geboren, also schon nachdem der eiserne Vorhang gefallen ist. Für mich persönlich war die Tatsache, dass ich in Osteuropa geboren bin nicht besonders wichtig, weil ich selbst nie Kommunismus erlebt habe. Ich weiß aber, dass das eine riesige Bedeutung hat, weil bis heute viele Leute sich darauf beziehen, und es gibt manche Relikte der kommunistischen Zeit. Also in dieser Hinsicht ist der Kommunismus immer noch anwesend.

In meiner Familie wird selten über die Zeit vor 1989 gesprochen. Die Eltern und die Großeltern haben mir aber schon erzählt, wie die Realität damals ausgesehen hat. Da fällt mir vor allem die Knappheit der Lebensmittel in den Geschäften ein. Überraschend finde ich, dass es Leute gibt, die sich nach früheren System sehnen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben aussehen würde, wenn es den Eisernen Vorhang immer noch gäbe. 

Es müsste so grau sein, wie die Fotos von damals.

Wenn ich an die Unterschiede zwischen den Ländern des ehemaligen Ostblocks und den westlichen Ländern denke, fällt mir die Armut auf. Der Kommunismus hatte hier in dieser Hinsicht einen so großen Einfluss, dass das bis heute leicht zu beobachten ist.

Sehr wichtig ist für mich, dass mein Land sich an dem Fall des Kommunismus beteiligt hat und darauf bin ich stolz. Deshalb finde ich den Jahrestag der ersten demokratischen Parlamentswahl in Polen am 4. Juni wichtig.

  • Karolina Modzelewska

Kursteilnehmerin am ÖI Warschau

 

Das Jahr 1989 ist für mich etwas ganz Fernes, weil ich 1991 geboren bin. Ich habe mich früher nicht besonders für dieses Thema interessiert, aber ich habe in Geschichte und Sozialkunde in der Schule über die Ereignisse gelernt. Von meinen Eltern und Großeltern habe ich auch viel darüber gehört.

Ich muss zugeben, dass dieses Projekt, das meine Gruppe realisierte, meinen Horizont erweitert hat. Früher habe ich nur ein wenig über „Solidarność“, Lech Wałęsa und seinen Nobelpreis gewusst, weil man nur das in der Schule lernt. Die Lehrer finden, dass die allgemeinen Informationen am wichtigsten sind und für mehr haben wir im Unterricht keine Zeit. Natürlich leidet das geschichtliche Bewusstsein der Schüler unte dieser Tatsache.

Jetzt weiß ich mehr davon, wie die Leute damals gelebt haben und wie sie sich gefühlt haben.

Meine Eltern haben keine schlechten Erinnerungen an die Zeit vor 1989. Mein Vater war ziemlich privilegiert, er hat damals in der antiterroristischen Einheit in Flugzeugen gearbeitet, das heißt er hatte keine Probleme mit dem Reisen ins Ausland, wie die anderen Polen. Meine Mutter ist Russin und war Ingenieurin in Petersburg. Ihr Gesichtspunkt ist ein bisschen anders, weil sie in der Heimat des Kommunismus aufgewachsen ist. Der Kommunismus war für sie ganz selbsverständlich und sie hat sich ein anderes politisches System in ihrem Land früher nicht vorstellen können. Ihre Eltern hatten beide Hochschulbildung und einen Zugang zu den Mangelwaren. In Gesprächen mit ihr höre ich oft über „Pewex“ - in diesem Geschäft durften in Polen die wenigen Leute einkaufen, die legale Dollars hatten und meine Mutter hat zu ihnen gehört. Sie sagt manchmal, dass es damals mehr Markenklamotten gab, z. B. originelle, amerikanische Jeanshosen. Jetzt ist alles „Made in China“.

 
Ich sehe, dass wir in Polen, obwohl wir jetzt eine Demokratie sind, keinen Gebrauch machen von unseren Wahlstimmen. Am 4. Juni war der Jahrestag der ersten demokratischen Parlamentswahl in Polen, aber die Wahlbeteiligung ist bei uns immer mörderisch niedrig. Ich finde, dass da noch viel zu machen ist.

  • Agnieszka Grądek

Lektorin am ÖI Warschau und Leiterin dieses Projektes

 

Ich bin 1970 geboren, das heißt, dass ich die Hälfte meines Lebens im kommunistischen Polen verbracht habe. Aber genau, wie die jüngeren Projektteilnehmer, die alle schon doch nach der Wende geboren sind, habe ich über diese Vergangenheit wenig nachgedacht. An dem Projekt zu arbeiten, war für mich gerade deshalb so interessant, weil ich mir die Zeit genommen und die Mühe gegeben habe über den Teil meines Lebens, der schon Geschichte geworden ist zu reflektieren.

Meine persönliche Erfahrung des Kommunismus war das Leben in einer geteilten Welt. Und ich meine hier nicht die Ost und West Teilung Europas, sondern die Kluft zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich. In der offiziellen Sphäre herrsche ewig die kommunistische Partei mit ihrem ersten Sekretär, die zufriedenen Arbeiter zogen durch die Stadt am ersten Mai, mit der Sowjetunion verband uns brüderliche Freundschaft usw. Im Privaten wusste man es besser: Der Partei gehörten nur diejenigen an, die so auf ihren Nutzen bedacht waren, dass sie allen Anstand verloren haben. Die Arbeiter waren ihnen ganz egal und keiner war zufrieden. Die Sowjetunion war das Imperium des Bösen. Jeder wusste das. Die kleinsten Kinder kannten den Unterschied zwischen Zensur und Wirklichkeit.

Wenn ich jetzt an die Zeit denke, fällt mir auf, wie groß die Stagnation war, die im öffentlichen Leben herrschte. Die Nachrichten waren jeden Tag die selben: das Plenum der Arbeiterpartei, aus dem nichts folgte, Besuch eines sozialistischen Staatsoberhauptes, der nichts brachte, und immer die Dankbarkeit des Volkes. Irgendwo weit weg geschah etwas wirklich … Politischer Kampf, Parlamentswahlen, Streiks, Präsidentenwahl das klang alles so abstrakt und exotisch. Hier stand alles still. Und ich weiß, dass ein Teil von mir, der sich irgendwo tief in meinem Bewusstsein verbarrikadiert hat, immer noch in diesem Stillstand lebt. Ich glaube, das ist der Teil, der nicht wählen geht und es nicht einsehen kann, dass meine Stimme etwas bedeutet.

Der Wendepunkt kam für mich 1980, als ich das exotische Wort „Streik“ im polnischen Radio im Zusammenhang mit der Danziger Werft gehört habe. Seit diesem Moment, mit der kurzen Unterbrechung des Kriegszustands, waren die Veränderungen immer größer. Aber ich glaubte nicht ernsthaft daran, dass das kommunistische System endgültig zusammenbricht und als es endlich zusammengebrochen war, konnte ich das nicht fassen. Dieser Unglaube ist auch der gemeinsame Nenner aller Interviews, die unsere Projektgruppe durchgeführt hat. Was dann endlich 1989 passiert war, hatte keiner für wirklich wahrscheinlich gehalten.

Dank diesem Projekt ist mir wirklich bewusst geworden, dass ich jetzt in Freiheit lebe, von der ich als Kind und Jugendliche nur träumen konnte. Für dieses fantastische Gefühl bin ich sehr dankbar. Ich danke allen Projektteilnehmern für ihre Arbeit, ihre Zeit und ihr Engagement un den Interviewten dafür, dass sie ihre Erinnerungen mit uns geteilt haben.



Drucken

Newsletter abonnieren

 

Seite weiterempfehlen

Drukuj

Zamów newsletter

Bookmark and Share

Polec strone




© Österreich Institut PL-00108 Warszawa, Ul. Zielna 37
numer konta: 22114010100000285862001001
+48-22-3319136 mail:sekretariat@oei.waw.pl - created with TYPO3